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Neuer Lotsen-Gesamtarbeitsvertrag unterzeichnet: Mehrheit stimmt für GAV, eine von vier Gewerkschaften schert aus

Seit dem 23. April 2018 verhandelte die Chambre des relations collectives de travail (CRCT) in Genf über die Meinungsunterschiede zwischen dem Flugsicherungsunternehmen skyguide und der Lotsengewerkschaft Skycontrol betreffend einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für Flugverkehrsleiterinnen und Flugverkehrsleiter. Die vom Kanton Genf betriebene Schlichtungsstelle hat das Verfahren schliesslich auf alle vier Lotsengewerkschaften ausgeweitet. Im Rahmen dieses Verfahrens wurde die finale Version des GAV ausgehandelt. Die Gewerkschaft Skycontrol, die das Verfahren ursprünglich angestrengt hatte, war die einzige Gewerkschaft, die den Verhandlungstisch bereits nach kurzer Zeit verliess. Die anderen drei Gewerkschaften erzielten mit skyguide ein Verhandlungsergebnis.

Skycontrol war auch die einzige Gewerkschaft, die ihren Mitgliedern das Verhandlungsergebnis nicht zur Abstimmung vorlegen wollte. Die CRCT entschied aber, dass alle Flugverkehrsleitenden zur Abstimmung zugelassen werden müssen. Seit gestern, 9. Juli 2018, liegt das Abstimmungsergebnis vor: Bei einer Stimmbeteiligung von 85 Prozent stimmten die klare Mehrheit aller Flugverkehrsleitenden (61 Prozent), drei von vier Gewerkschaften (alle ausser Skycontrol) sowie die nicht gewerkschaftlich organisierten Flugverkehrsleitenden dem Angebot zu. Für alle diese Mitarbeitenden gilt ab sofort der neue GAV, der heute Mittag von allen – ausser der Gewerkschaftsführung von Skycontrol – unterschrieben wurde.

 

Stärkung der bereits überdurchschnittlichen Anstellungsbedingungen

Mit der heutigen Unterschrift endet ein zwei Jahre dauernder GAV-Verhandlungsprozess. Im Ergebnis wurden die sehr guten Anstellungsbedingungen für Flugverkehrsleitende nicht nur für weitere drei Jahre gesichert, sondern gar gestärkt – in einem Rahmen allerdings, der weder die mittel- und langfristigen Interessen der Schweizer Luftfahrt torpediert noch die finanzielle Situation des Unternehmens destabilisiert.

 

Skyguide hat sich im Laufe der Verhandlungen über einen neuen GAV stets kooperativ gezeigt und ihr Angebot mehrmals verbessert. Die Flugverkehrsleitenden von skyguide üben eine anspruchs- und verantwortungsvolle Tätigkeit aus, welche entsprechend honoriert wird. Die heutigen Anstellungsbedingungen der Flugverkehrsleitenden sind überdurchschnittlich gut. Die Flugverkehrsleitenden von skyguide gehören zu den bestverdienenden Berufsleuten in der Schweiz.

 

Skyguide verurteilt Aufruf zum Streik aufs Schärfste

Trotz deutlich überdurchschnittlicher Arbeitsbedingungen ist eine von vier Gewerkschaften, Skycontrol, der Ansicht, dass diese Anstellungsbedingungen nicht gut genug seien und hat deshalb heute zum Streik aufgerufen. Die Gewerkschaft Skycontrol vertritt Flugverkehrsleitende in Genf, die den Über- und Anflug kontrollieren, nicht aber die Flugverkehrsleitenden im Tower Genf. Ferner arbeiten ihre Mitglieder auf den Regionalflugplätzen Bern und Sion.

 

Das Schweizer Flugsicherungsunternehmen skyguide verurteilt die Arbeitskampfmassnahmen, die von wenigen militanten Gewerkschaftsführern von Skycontrol angedroht wurden, aufs Schärfste. „Solche Massnahmen wären ungerechtfertigt und verantwortungslos. Die Aktionen einzelner Aktivisten würden die Interessen der Bevölkerung und der Wirtschaft speziell in der Romandie schädigen“, erklärt Alex Bristol, CEO von skyguide. „Wir dürfen aber nicht vergessen, dass sich die allermeisten Lotsinnen und Lotsen von skyguide dem Streik auf keinen Fall anschliessen würden.“

 

Sollte Skycontrol seine Streikdrohung wahr machen, könnten die Kampfmassnahmen den Luftverkehr speziell in der Romandie stark beeinträchtigen. „Die negativen Konsequenzen des Verhaltens einzelner Aktivisten für unsere Kunden und Partner – namentlich für den Flughafen Genf, die Fluggesellschaften und die Passagiere – wären äusserst bedauerlich. Im Interesse dieser Betroffenen erwarten wir nach wie vor, dass die militante Gewerkschaftsführung von Skycontrol von dieser drastischen Massnahme absieht und zur Sozialpartnerschaft zurückkehrt“, sagt Urs Lauener, Chief Operating Officer (COO) von skyguide.